Wenn auf der Welt die Erde bebt, wenn Dürren, Überschwemmungen und Wirbelstürme das Leben der Menschen bedrohen, steht das Medair-Nothilfeteam GERT in den Startlöchern.
Markus Zorn ist Teil des so genannten GERT, unserer Mannschaft, die in solchen Fällen die Lage bewertet und binnen 48 Stunden am Einsatzort sein kann, um den Menschen zu helfen. Im Gespräch mit der Medair News berichtet er, was Medair auszeichnet, wie Das Nothilfeteam Arbeit und unter welchen Voraussetzungen ein Einsatz starten kann.
Wenn Architekt Zorn über die hektischen und oftmals unkoordinierten ersten Tage spricht, die nach dem Eintritt einer Notlage folgen, kann man das Adrenalin in solchen Ausnahmesituationen fast spüren. „Es gibt unzählige Kommunikationskanäle, viele Meetings“, sagt Markus. „Die große Kunst dabei ist, die wichtigen und entscheidenden Informationen herauszufiltern, um mit den Hilfsmaßnahmen beginnen zu können.“
Nur eine Sache sei in Stein gemeißelt: Wenn es in den großen Abstimmungsrunden der Hilfsorganisationen darum geht, betroffene Menschen in einer abgelegenen Region des Katastrophengebiets mit Hilfsgütern und lebensrettenden Maßnahmen zu versorgen, herrscht meist Schweigen im Walde. „Dann drehen sich 25 Köpfe zu unseren Medair-Kolleginnen und -Kollegen um und schauen uns fragend, aber wissend an“, verrät der gebürtige Österreicher.
Für die anderen Hilfsorganisationen, die bei Katastrophen und akuten Krisen vor Ort im Einsatz sind, sei klar, wer diesen Auftrag annehmen werde. „Das ist in der Welt der humanitären Hilfe bekannt“, so Zorn. Einerseits sei das eine Anerkennung der Leistungen unserer Kolleginnen und Kollegen, anderseits auch eine große Herausforderung.
„Wer die Menschen in diesen schwer erreichbaren Regionen versorgen will, hat es ungleich schwerer als bei einer Verteilung von Hilfsgütern aus dem Lastwagen heraus auf dem urbanen Marktplatz.“
„Wer die Menschen in diesen schwer erreichbaren Regionen versorgen will, hat es ungleich schwerer als bei einer Verteilung von Hilfsgütern aus dem Lastwagen heraus auf dem urbanen Marktplatz“, gibt der 33-Jährige zu bedenken.
„Der Qualitätsanspruch an unsere Arbeit ist hoch, und diesem wollen wir auch dann noch gerecht werden, wenn es schwieriger wird, die Betroffenen zu erreichen. „Das bedeutet allerdings auch, dass wir mit den gleichen Mitteln weniger notleidenden Menschen helfen können“, sagt Zorn.
Doch bevor ein Einsatz startet, wird im sogenannten Leadership-Team besprochen, ob die Kriterien für einen Medair-Nothilfeeinsatz erfüllt sind.
Das GERT ist wie eine Zwiebel aufgebaut. Es gibt ein Kernteam, das aus wenigen Menschen besteht. Am Hauptsitz von Medair International im schweizerischen Ecublens wird das Weltgeschehen gemonitort. Die nächste Schicht besteht aus ca. zehn bis 15 Medair-Mitarbeitenden, die zwar als Medair-Spezialisten für Ernährung, Gesundheit, WASH, IT oder Unterkünfte weltweit im Einsatz sind, aber für derartige Notfalleinsätze bereitstehen. „Zeichnet sich beispielsweise ab, dass die logistische Komponente des möglichen Nothilfeeinsatzes herausfordernd ist, werden Logistik-Spezialisten aus dieser Gruppe angefragt.“ Dann gebe es noch ca. 100 bis 150 Menschen, die Erfahrung in der Nothilfe haben und bereits in der Vergangenheit mit Medair zusammenarbeiteten.
„Viele Länder, die mit wiederkehrenden Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Erdbeben oder Tsunamis konfrontiert sind, sind mittlerweile in der Lage, die Folgen eines Ereignisses selbst zu bewältigen.“
Welche Kriterien fließen in die Bewertung ein?
Als Erstes ermittelt das Team, wie viele Menschen von einer plötzlichen Notlage oder einer sich ausweitenden Krise betroffen sind. „Wir bewerten die bestehenden Schwachstellen des Landes und seine Kapazität, die Krise eigenständig zu bewältigen. Bittet die Regierung um internationale humanitäre Hilfe, beginnen wir mit der Planung eines Einsatzes“, erklärt Zorn. „Viele Länder, die mit wiederkehrenden Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Erdbeben oder Tsunamis konfrontiert sind, sind mittlerweile in der Lage, die Folgen eines Ereignisses selbst zu bewältigen“, gibt der Österreicher zu bedenken.
„Je nachdem, welche Art von Bedarf besteht, entscheiden wir, ob wir die richtige Organisation sind und ob unsere Fachkenntnisse gebraucht werden. Würde unser Nothilfeeinsatz eine Lücke füllen und einen Mehrwert bedeuten? Wie viele andere NGOs reagieren auf die Krise? Wir kommunizieren mit anderen NGOs, Partnern und Kontakten vor Ort, um uns ein klares Bild von der Krise zu verschaffen.“
Ist auch dieses Kriterium erfüllt, stellt sich die wichtige Frage nach dem Zugang ins Land und in die Krisenregion. "Sind wir für die Arbeit in dem Land registriert oder müssen wir über Partner arbeiten? Können wir die Menschen erreichen, die am dringendsten Hilfe benötigen? Zerstörte Infrastruktur oder schwieriges Terrain können den Zugang zu bedürftigen Gemeinschaften erschweren, und Konflikte stellen eine Herausforderung für die Sicherheit dar“, sagt Zorn.
Abschließend müssen wir bewerten, ob genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen und ob wir die erforderliche Anzahl an Mitarbeitenden für den Nothilfe-Einsatz bereitstellen können. „Deshalb ist es wichtig, dass die Menschen an unseren Notfallfonds spenden und uns die Hilfe im Krisenfall ermöglichen“, wirbt Zorn für das GERT.
Hilfe, die ankommt – Erfolgsgeschichten aus unseren Projekten