Wie Alain seinen
Bruder verlor und
fünf Leben rettete

Wie Alain seinen
Bruder verlor und
fünf Leben rettete

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Als Alain das Ebola-Behandlungszentrum in Katwa im Osten der DR Kongo betrat und die Diagnose erhielt, erkrankt zu sein, war er überzeugt, seine Familie nie wiederzusehen. Doch dank Medair kam alles anders.

Misstrauen und Vorbehalte erschweren die Eindämmung des Virus in der DR Kongo. Warum es so wichtig ist, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen, zeigt Alains Beispiel.

Als Alain das Ebola-Behandlungszentrum in Katwa im Osten der DR Kongo betrat und die Diagnose erhielt, erkrankt zu sein, war er überzeugt, seine Familie nie wiederzusehen. In seiner Gemeinde schürten Gerüchte über das Virus und die Behandlungszentren Angst und Misstrauen. „Zu Hause sagten viele Menschen, dass das Ebola-Behandlungszentrum in Katwa ein Ort sei, an den Kranke gebracht würden, um getötet zu werden. Manche behaupteten sogar, niemand komme lebend zurück“, erzählt Alain.

Nachdem er kurz zuvor seinen Bruder an das Virus verlor, weil Zweifel eine rechtzeitige Behandlung verhinderten, zeigte auch Alain Symptome der Infektion. „Zuerst war da die Erschöpfung, dann das Fieber. Ich versuchte, mir einzureden, dass es nichts sei. Ich nahm zu Hause Medikamente und behandelte mich selbst. Aber die Krankheit schritt schnell voran.“

Den Tod seines Bruders vor Augen rief Alain selbst einen Krankenwagen, um zum von Medair unterstützten Ebola-Behandlungszentrum in Katwa zu fahren.

„Irgendwann sagte ich mir: Entweder glaube ich weiterhin den Menschen draußen oder ich gebe denen eine Chance, die versuchen, mein Leben zu retten. An diesem Tag änderte sich alles."

Die Diagnose war für ihn niederschmetternd. Doch fast genauso große Angst wie die Krankheit selbst machten ihm die Gerüchte. „Sie brachten mir Essen, aber ich rührte es kaum an. Ich war überzeugt, dass sie mich vergiften wollten. Heute erscheint mir das unglaublich, aber damals habe ich wirklich daran geglaubt. Das Virus griff meinen Körper an und die Gerüchte meinen Verstand“, berichtet Alain.

„Irgendwann sagte ich mir: Entweder glaube ich weiterhin den Menschen draußen oder ich gebe denen eine Chance, die versuchen, mein Leben zu retten.“ An diesem Tag änderte sich alles. „Hinter den Masken und der Schutzausrüstung erkannte ich plötzlich Frauen und Männer, die ihr Leben riskierten, um unseres zu retten, ich erkannte engagierte Fachkräfte, die sich Zeit nahmen, mit mir zu sprechen, mich zu beruhigen und meine Fragen zu beantworten. Ihre Unterstützung gab mir die Kraft zurück, zu essen, die Behandlung fortzusetzen und wieder an meine Genesung zu glauben“, zeigt sich Alain dankbar.

„An dem Tag, an dem mir gesagt wurde, dass ich geheilt sei, fühlte ich etwas, das sich kaum in Worte fassen lässt. Es war, als wäre ich neu geboren worden.“ Seine Genesung veränderte seine Sicht auf die Krankheit und das Behandlungszentrum grundlegend.

Nach seiner Genesung erfuhr Alain, dass auch mehrere Mitglieder seiner Familie dem Virus ausgesetzt gewesen waren. Wie Alain zunächst selbst, zögerten auch sie, sich im Behandlungszentrum behandeln zu lassen.

„Ich sagte ihnen: Schaut mich an. Ich lebe. Wenn dieses Zentrum Menschen töten wollte, würde ich heute nicht hier vor euch stehen. Ich erzählte ihnen, was ich gesehen hatte – von der Qualität der Versorgung, der Aufmerksamkeit des Personals und den Behandlungen, die ich erhalten hatte. Ich wollte die Angst durch die Wahrheit ersetzen.“

Sein Erfahrungsbericht überzeugte fünf Mitglieder seiner Familie, sich behandeln zu lassen. Alle fünf überlebten. „Als ich sah, wie meine Familienmitglieder einer nach dem anderen geheilt das Zentrum verließen, verstand ich, dass meine Geschichte Leben gerettet hatte. Darauf werde ich immer stolz sein.“

Alain und seine Familie gehören zu den mehr als 40 Menschen, die bislang genesen aus dem Ebola-Behandlungszentrum in Katwa entlassen werden konnten.

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