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Ebola breitet sich weiter in der Demokratischen Republik Kongo aus. Im Kampf gegen das tödliche Virus und um Leben zu schützen, unterstützt Medair 70 Gesundheitseinrichtungen im Osten des Landes. Prävention und Behandlung sind überlebenswichtig – aber auch die Kooperation der Bevölkerung. Derzeit sind mehr als 2000 Menschen an Ebola erkrankt oder möglicherweise infiziert. 

Mit anderen Hilfsorganisationen ist Medair unermüdlich im Einsatz. Wir wollen die weitere Ausbreitung eindämmen. Dennoch steigt die Zahl der Ansteckungen kontinuierlich. Die ersten tausend Fälle wurden vor etwa acht Monate gemeldet. Doch bereits in weniger als zweieinhalb Monaten hat sich die Zahl der Ansteckungen verdoppelt.

Häufig tauchen bei dem Wort “Ebola” Bilder von Helfern in hellen Vollkörper-Schutzanzügen auf. An vorderster Front, im direkten Kontakt mit Erkrankten retten sie Leben. Doch das ist nur ein Teil eines Hilfseinsatzes: Hinter den Kulissen, oft sichtbar, untersuchen Helfer und medizinisches Personal betroffene Menschen, überweisen an Ebola-Zentren, impfen, klären über Prävention auf, kontrollieren Hygiene und noch viel mehr. All diese Maßnahmen sind für eine effektive Bekämpfung von Ebola unabdingbar!

Aber dieser hohe Einsatz ist nur dann erfolgreich, wenn er eng mit gemeinschaftsbasierter Prävention und Überwachung verknüpft ist. Das heißt: Besonders die lokale Bevölkerung spielt eine wesentliche Rolle bei der EIndämmung von Ebola.

Deshalb ist es in unserem Nothilfeprogramm in der DR Kongo besonders wichtig, die Menschen zu befähigen, selbstbestimmt Präventionsmaßnahmen ergreifen zu können. Die Ausrottung der Epidemie ist nur durch würdevolles Einbinden und aktives Zutun der betroffenen Gemeinschaften möglich.

Eine Dorfbewohnerin wäscht ihre Hände an einer von Medair bereitgestellten Waschstation. © Medair/Kate Holt

In der schlimmen Ebola-Krise in Westafrika vor einigen Jahren sanken die Ansteckungsraten erst, als betroffene Gemeinschaften zentrale Präventionsmaßnahmen akzeptierten und selbst anwendeten. Neben der Isolierung und Behandlung von Patienten durch Hilfsorganisationen, wurden wesentliche Schritte zur Eindämmung der Epidemie von den Gemeinschaften selbst geleistet.

Der echte, nachhaltige Wandel vollzog sich innerhalb der Stadtviertel und Dörfer selbst.

  • Nachbarn passten ihre Begrüßungsrituale an.
  • Mütter forderten ihre Kinder zum konsequenten Händewaschen auf.
  • Familien änderten ihre Beerdigungszeremonien.

Die 65-jährige Agwandia Jermanine erkrankte am 25. Dezember 2018 an Ebola – und überlebte den tödlichen Virus. © Medair/ate Holt

Agwandia Jermanine steckte sich mit dem Ebola-Virus an – und überlebte. Seither setzt sie sich mit allen Mitteln für die Prävention und Behandlung ein. Als traditionelle Heilerin hält die starke, temperamentvolle Frau eine Schlüsselrolle in ihrer Gemeinschaft. Heiler sind Meinungsmacher und Respektspersonen in ihrem Dorf. Sie sind auch für Medair eine wichtige Zielgruppe. In einer Informationsrunde mit Gemeindevorstehern fragte ein Teilnehmer: “Woher wissen wir, dass es Ebola überhaupt gibt und die Krankheit keine Erfindung der Behörden ist?” Agwandia erhob sich von ihrem Stuhl und erklärte:

“Ich weiß, dass die Krankheit echt ist. Ich hatte selbst Ebola.”

Angesehene Gemeindemitglieder wie Agwandia sind entscheidend, um die anderen Dorfbewohner zu überzeugen und einen offenen Dialog zu ermöglichen. Nur wenn Betroffene Vertrauen aufbauen, werden sie sich einbringen und lebensrettende Präventionsmaßnahmen annehmen und anwenden – immer individuell abgestimmt auf ihre Gemeinschaft.

Papa Kambales Tochter starb im Januar 2019. Sie lebte bei ihrem Vater, half ihm bei der Versorgung seiner drei verwaisten Enkel und unterstützte ihn finanziell. © Medair/Kate Holt

Vertrauen ist Voraussetzung

Wie wichtig der Einbezug von lokalen Gemeinschaften ist, haben uns die Angriffe auf Ebola-Behandlungszentren in den vergangenen Monaten schmerzlich vor Augen geführt: Die Akzeptanz von Hilfsorganisationen ist in vielen Dörfern noch nicht vorhanden. Vertrauen wird aufgebaut, wenn ein Dialog stattfindet, lokales Personal eingesetzt wird und die Bedürfnisse der Betroffenen gehört und ernstgenommen werden.

Ein Vertrauensaufbau kann jedoch auch behindert werden. Zum Beispiel aufgrund von (sichtbaren) Verflechtungen zwischen der zivilen und der militärischen Ebene, was ein Verstoß gegen die humanitären Grundsätze bedeutet. Ein solches Verhalten schürt das Misstrauen von Gemeindemitgliedern. Sie fragen sich: “Wenn Ebola wirklich eine Krankheit ist, warum fahren im Krankenwagen denn Polizisten mit? Das sieht eher nach einer Verhaftung aus.”

Es gibt auch Wege, ohne militärisches Begleitpersonal einen sicheren Zugang in betroffene Gebiete zu erhalten. Hilfsorganisationen können beispielweise mit Partnern zusammenarbeiten, die schon längere Zeit gute Beziehungen zu den jeweiligen Gemeinschaften unterhalten. Vor dem Einsatz sollten umfassende Gespräche mit Gemeindevorstehern geführt werden, um angemessene Aktivitäten gemeinsam zu planen – auch dann, wenn dadurch zeitliche Verzögerungen entstehen können. Damit stellt die Hilfsorganisation sicher, dass sie nicht als unerwünschter Eindringling, sondern als Helfer wahrgenommen wird.

Agwandia Jermanine erklärt einer Gruppe traditioneller Heiler, wie wichtig es ist, bei einem frühen Verdacht auf Ebola das Gesundheitsamt zu informieren. © Medair/Kate Holt

Nothilfe wird offiziell verstärkt

In jüngster Zeit hat es verschiedene ermutigende Entwicklungen gegeben: Das Inter-Agency Standing Committee, (IASC), eine Organisation der Vereinten Nationen, die die humanitäre Hilfe koordiniert, erkannte die Schwere des Ebola-Ausbruchs in der DR Kongo vergangene Woche an und rief die höchste Krisenstufe aus. Zu den obersten Prioritäten gehören nun eine verstärkte Einbindung lokaler Gemeinschaften sowie eine verbesserte Koordination der Hilfe.

Medair begrüsst die höchste Krisenstufe und damit die Verstärkung der Nothilfe. Wir appellieren an die kongolesische Regierung, internationale politische Entscheidungsträger sowie an alle Geber, Nothilfeeinsätze voll und ganz zu unterstützen – und gleichzeitig ihre Qualität und Ausrichtung zu überwachen.

Eine maßgeschneiderte Einsatzstrategie ist dabei der alles entscheidende Erfolgsfaktor: Die Gemeinschaften müssen auf kulturell angepasste Weise mit allem Nötigen ausgestattet werden, um der Krise begegnen zu können. Sie müssen dazu ermutigt werden, selbst aktiv zu werden. Die kongolesische Bevölkerung ist von dem Ausbruch am stärksten betroffen – und sollte daher auch am stärksten in die Hilfsaktivitäten eingebunden sein.

Diese Tanzgruppe zeigt während einer Medair-Sensibilisierungsveranstaltung wie man sich effektiv vor Ebola schützen kann. © Medair/Kate Holt

Tanzen gegen Ebola

Die globalen Schritte zur Verstärkung der Nothilfe machen Mut – genauso wie lokale Initiativen in der Krisenregion selbst. Ein Beispiel dafür ist eine lokale Tanzgruppe aus Beni: Als die jungen Männer sahen, wie sich die Epidemie vom Ausbruchsort in Mabalako bis in ihre Stadt ausbreitete, studierten sie gemeinsam eine Choreografie ein. Damit wollen sie die Bevölkerung für Ebola sensibilisieren. Unterstützung bei der Choreografie kam von der Medair-Mitarbeiterin und leidenschaftlichen Tänzerin, Rebecca Langer.

Seither ist die Gruppe für Medair im Einsatz. Sie zieht durch besonders stark betroffene Stadtviertel und erreicht so Jugendliche viel besser. Die Art, wie die Gruppe Verantwortungsbewusstsein zeigt, sollte als Vorbild für möglichst viele weitere Aktionen dienen. Nur durch den Einbezug der Einheimischen kann der Ausbruch erfolgreich und endgültig beendet werden.

Medair unterstützt weiterhin über 70 Gesundheitseinrichtungen im Osten der DR Kongo und Ebola-Region mit Gesundheits- und Ernährungsdiensten sowie WASH-Projekten (Wasser, sanitäre Anlagen, Hygiene).

Video: Unser Kampf gegen Ebola