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Die Unterkunft, in der Saadya mit ihrer Familie heute lebt, liegt am Rande von Amman in Jordanien. Sie ist weder auf einer Karte, noch per GPS zu finden. Straßen tragen hier keine Namen, Häuser keine Nummern. Unser Medair-Team verbringt eine ganze Stunde damit, das Stückchen Land ausfindig zu machen, auf dem die Familie ihr Zelt aufgeschlagen hat.

Ursprünglich stammen Saadya und ihre Familie aus Syrien. Heute leben sie als so genannte Non-Camp-Flüchtlinge in Jordanien, das bedeutet: außerhalb der offiziellen Flüchtlingslager. Aktuellen UN-Statistiken zufolge leben 84 Prozent der syrischen Flüchtlinge in Jordanien nicht in offiziellen Flüchtlingscamps. Sie sind für Hilfsorganisationen daher weniger “sichtbar”.

© Medair / Mona van den Berg

Auf humanitäre Bedürfnisse zu reagieren wird erschwert, wenn sich die betroffenen Menschen nicht in einer spezifischen geografischen Region aufhalten. Wenn sie sich also an ablegenen Orten oder auch anonym inmitten von großen, belebten Städten niederlassen.

Intensive Zusammenarbeit ist der Schlüssel

Damit auch diese Geflüchteten mit Hilfe versorgt werden können, arbeitet Medair eng mit anderen Hilfsorganisationen zusammen. Wir richten Überweisungssysteme ein; sammeln Daten über die Geflüchteten, die nicht in offiziellen Lagern leben. Diese Daten teilen wir anderen Helfern und Unterstützung kann vermittelt werden. Auch vertrauen wir auf Menschen wie Saadya, die eine wichtige Rolle darin spielen, uns Zugang zu Familien in unterversorgten Gebieten zu schaffen.

Saadya lernten wir 2018 kennen, als ihr von einer anderen Organisation empfohlen wurde, uns für Geldleistungen (Cash-for-Health) für die lebensrettende Operation ihres Enkels anzufragen. Das Wohlergehen ihrer Familie und ihrer kleinen syrischen Flüchtlingsgemeinschaft war Saadya von Anfang an sehr wichtig. Unser Team traf sich von da weg regelmäßig mit ihr. Nach und nach stellte sie uns befreundete Flüchtlingsfamilien vor, die – wie sie zuvor auch – dringend auf Hilfe angewiesen waren.

Dank Saadya trafen wir Iman, die ebenfalls aus Syrien geflüchtet war. Nach einer Drillingsgeburt im vergangenen Jahr hatte er Schwierigkeiten, die Arztrechnungen zu bezahlen. Heute unterstützen wir eine werdende Mutter, deren Geburtstermin unmittelbar bevorsteht. Auch Saadyas jüngstes Enkelkind, Abbas, der vor Kurzem das Licht der Welt erblickte, wird von uns nachgeburtlich versorgt.

Flüchtlinge, die in Jordanien außerhalb der offiziellen Lager wohnen, können wir nur dank der intensiven Zusammenarbeit mit Familien und unserer lokalen Partnern so gut unterstützen. Unsere jordanischen Kollegen investieren viel Zeit, um Familien individuell zu betreuen, sie eng in Projekte einzubinden und sicherzustellen, dass keine von ihnen vergessen geht.

Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere Projekte in Krisen- und Konfliktregionen. Wir möchten weiterhin Menschen die Hilfe geben, die sie so dringend brauchen. Vielen Dank!

Libanon: Krankenhäuser zu weit entfernt

Vor sieben Jahren verließen Fatima und ihre Familie Syrien und harren seither in einem Zelt in einem inoffiziellen Lager im Bekaa-Tal aus aus. Die Familie ist in dieser Zeit gewachsen; Fatima hat fünf Kinder zur Welt gebracht. Medizinische Untersuchungen hatte sie während ihren Schwangerschaften kaum.

“Ich bat Gott, sich meinem Baby anzunehmen – und das tat er”, erinnert sie sich. Zwar ist die nächste Klinik nur zehn Gehminuten entfernt, aber eine von Fatimas Töchtern leidet an einer schweren psychischen Erkrankung und Fatimas Mann arbeitet rund um die Uhr. “Es war immer sehr schwierig für mich, einen Arzt aufzusuchen”, erzählt sie. Obwohl der Weg zur Klinik nur so kurz war, kam er ihr jeweils wie eine halbe Weltreise vor. Bei ihrer letzten Geburt verlief aber alles anders: Fatima konnte auf die Unterstützung der Medair-Hebamme Hanadi zählen. Heute, acht Tage nach der Entbindung, steht die erste nachgeburtliche Kontrolle an.

Schwangere Frauen zuhause versorgen

Hanadi ist Teil des groß angelegten Hebammen-Projekts von Medair im Bekaa-Tal. Gemeinsam mit zwei anderen Geburtshelferinnen besucht sie jeden Tag werdende und junge Mütter in Flüchtlingssiedlungen. Sie hält kostenlose Patientengespräche und -beratungen ab und überweist Frauen bei Bedarf in von Medair unterstützte Krankenhäuser.

Hanadi ist selbst schwanger. Ihr Mutterschaftsurlaub steht kurz bevor. Fatima begrüßt sie wie eine jahrelange Freundin. “Sieh an”, ruft sie ihr zu. “Bald hast du es auch geschafft!” Hanadi nimmt Fatimas Neugeborenes in die Arme. “Hallo, du schöner kleiner Mond”, flüstert sie dem Baby zu. Danach kontrolliert sie seine Körpertemperatur und unterhält sich mit Fatima über Stillen und Ernährung. Sie gibt Fatima eine Packung mit Vitamintabletten und rät ihr, das nahegelegene Medair-Krankenhaus aufzusuchen. Nach der Untersuchung verabschieden sich die beiden Frauen. “Es war immer sehr schön, wenn du uns besucht hast”, sagt Fatima zu ihr. “Ich wünsche dir eine gute und sichere Geburt.” Seit zwei Jahren arbeitet Hanadi für Medair: “Ich liebe meinen Job. Ich habe den Herzschlag hunderter Babys im Bauch ihrer Mütter abgehört – und sie nach der Geburt als gesunde Kinder in den Armen gehalten.”

Allein im Bekaa-Tal erstrecken sich rund 3600 informelle Siedlungen über das gesamte Gebiet. Familien an so vielen verschiedenen Standorten in einer derart großen Region mit humanitärer Hilfe zu versorgen, ist eine enorme logistische Herausforderung. Das Risiko, dass notleidende Menschen keinen Zugang zu lebensnotwendiger Unterstützung erhalten, kann leider nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Durch das Hebammen-Projekt erhalten bedürftige Familien im Bekaa-Tal lebensrettende Unterstützung. Wenn schwangere Frauen und junge Mütter sich nicht in einer Klinik behandeln lassen können, bringen wir die dringend benötigten medizinischen Leistungen zu ihnen nach Hause.

Partner von Medair in Jordanien und Libanon:

Private Spender und Unternehmen
Auswärtiges Amt, Berlin
Evangelische Landeskirche in Württemberg
Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR)
UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten
EU-Bevölkerungsschutz und Humanitäre Hilfe
Regional Trust Fund der Europäischen Union – MADAD
Global Affairs Canada
Johns Hopkins University (US)
Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)
Stiftung Glückskette, Schweiz