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Die Sonne steht hoch am Himmel. Die mobile Klinik von Medair hat in einem kleinen Dorf im Nordirak Halt gemacht und ist in Vollbetrieb. Familien gehen ein und aus, um sich wegen Atembeschwerden, Bluthochdruck oder leichteren Verletzungen behandeln zu lassen. Während das Pflegepersonal die Wartenden nach Dringlichkeit ihrer Beschwerden einteilt, geben Apotheker Medikamente an Patienten ab.

Vor nicht allzu langer Zeit war die Gemeinschaft noch fest in der Hand bewaffneter Milizen. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt und die Menschen kehren nach und nach in ihre Heimat zurück, bereit, ein neues Leben aufzubauen.

Eine Gruppe von 14 Männern trifft sich zum dritten Mal in einer von Medair wöchentlich angebotenen psychosozialen Unterstützungsgruppe.

Jamal, der Gruppenleiter, ist psychosozialer Mitarbeiter bei Medair. Offen spricht er mit den Teilnehmern über Verlusterfahrungen und darüber, wie sie sich gegenseitig bei der Bewältigung unterstützen können. Die Gruppe ist bunt durchmischt: Einige der Männer sind noch sehr jung, der Älteste bereits 90 Jahre alt. Was tun, wenn man Hab und Gut, seine gesamten Ersparnisse verloren hat? Wie soll es nach dem Tod eines geliebten Menschen weitergehen? Die Männer haben alle ähnlich schmerzhafte Erfahrungen gemacht und es tut ihnen gut, sich untereinander auszutauschen.

Ahmad erzählt von seinem Erleben nach dem Tod seiner Frau, noch vor Konfliktausbruch. „All meine Freunde standen mir zur Seite“, erinnert er sich. „Sie waren jeden Abend für mich da. Das hat mir sehr geholfen.“

Raqqan, der mukhtar oder Gemeindevorsteher des kleinen Dorfs, nimmt ebenfalls an den Treffen teil und bezeichnet sie als eine wahre Bereicherung. „Es tut uns so gut, zusammenzukommen und miteinander unser Herz zu teilen“, erklärt Raqqan. „Wir reden offen über Verluste und Schmerz. Diese Treffen stärken unsere Gemeinschaft.“


Jamal unterhält sich mit zwei Männern aus dem irakischen Dorf.

Jamal ist selber Iraker und in einer ähnlichen Gegend aufgewachsen. Er sagt, dass dies die Betreuung der Gruppe einfacher macht. „Ich möchte ihnen in ihrer eigenen Kultur begegnen“, so Jamal. „Sie sollen sich wohlfühlen und ungehemmt mit mir reden können. Jede Woche öffnen sie sich mehr und berichten von ihren Erfahrungen. Unser Ziel ist, dass sie nach sechs Sitzungen wichtige Informationen erhalten haben und wissen, wie sie mit Trauer oder Stress umgehen können. Mit diesem Wissen können sie dann auch anderen helfen. Viele Menschen haben keine Ahnung, wie sie ihre schmerzhaften Erlebnisse bewältigen sollen. Damit sich dies ändert, bin ich hier.“

Nach den Sitzungen verlassen die Männer in Zweier- und Dreiergruppen das Gelände. Manche wollen noch unter vier Augen mit Jamal sprechen. „Im Irak ist der Bedarf an psychosozialer Hilfe derzeit sehr hoch“, so Jamal. „Psychische Krankheiten sind ein grosses Tabu und es gibt nur wenige Psychologen. Diese Art der Arbeit ist hier noch weitgehend unbekannt. Es braucht Zeit und Geduld, die Akzeptanz dieser neuen Art der Hilfe in der Gesellschaft zu verankern. Mit meiner Arbeit möchte ich den Menschen klar machen, dass es völlig in Ordnung und keine Schande ist, über Emotionen zu reden.“

Ihre Spenden ermöglichen Menschen im krisengeschüttelten Irak dringend benötigte psychologische Hilfe. Herzlichen Dank!


Im Irak unterstützt Medair bedürftige Menschen mit Unterkünften, psychosozialer Betreuung, sauberem Wasser, Latrinen sowie Gesundheits- und Hygieneleistungen. Die Arbeit von Medair im Irak wird unterstützt durch die US-Behörde für Internationale Entwicklung (USAID), die Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Union sowie durch grosszügige private Spenderinnen und Spender.

Die Inhalte dieses Artikels stammen von Medair-Mitarbeitenden in den Einsatzgebieten sowie am internationalen Hauptsitz. Die in diesem Artikel geäusserten Meinungen entsprechen ausschliesslich den Ansichten von Medair und nicht zwingend auch dem offiziellen Standpunkt anderer Hilfsorganisationen.